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An dieser Stelle wollte ich eigentlich über die faszinierende Kultur Thailands, über das gute Essen und über unsere Reiseroute schreiben. Aber dieses Mal hat etwas ganz besonderes unseren Weg gekreuzt, was wahrscheinlich noch nicht in 1000 Reiseberichten zu finden ist – Das Trash Hero Camp.

Unser kleines Abenteuer hat an unserem ersten Tag auf Koh Lipe begonnen. An einem Montag, um genau zu sein, dann finden nämlich wöchentlich um 9:30 „Beach Clean-ups“ von den Trash Heroes Koh Lipe statt. Für uns war (wie für viele von Euch wahrscheinlich auch) diese Organisation völlig neu. Wie der Name schon erahnen lässt geht es darum die Umgebung von Plastikmüll zu befreien. Trash Hero ist ein Netzwerk aus Freiwilligen, die (bisher) hauptsächlich im asiatisch-indonesischem Raum aktiv sind und seit 2013 bereits 343 TONNEN Müll händisch gesammelt haben. Wenn ich diese Zahl lese bekomme ich Gänsehaut.

Trash Hero CampTrash Hero CampTrash Hero Camp

Einer der Trash Hero Gründer, Darius Vakili, lebt und arbeitet gemeinsam mit seiner Frau Bee auf Koh Lipe (absolute Empfehlung zum Übernachten in den süßen Bungalows oder zum Frühstücken mit dem besten Brot der Insel – Café Lipe). Er hat uns Vorgeschlagen 4 Tage auf Koh Rawi, einer Insel im Tarutao Nationalpark, zu verbringen.

Diese Insel ist nicht bewohnt (abgesehen von 3 Rangern, die den Nationalpark „bewachen“) und dennoch mit Plastikmüll verdreckt, der durch den Indischen Ozean angetrieben wird.

Trash Hero Camp

Angekommen auf Koh Rawi wurden wir von 3 süßen Hunden und Marc empfangen. Marc heißt mit Nachnamen Freeman. Was ihn ziemlich gut beschreibt. Ein groß gewachsener Mann mit langen Rasterzöpfen, einer Machete um die Hüften gebunden und immer einer spannenden Lebensgeschichte auf den Lippen.

Nach einer kurzen Führung zum anliegenden Wasserfall, den Bädern, unserer Dschungelküche und dem Matratzenlager im Haus, hat Marc uns gezeigt, wie man Feuer ohne ein Feuerzeug entfacht und uns die Grundschritte der Selbstverteidigung erklärt. Nicht, dass wir dergleichen gebraucht hätten aber es hat perfekt zum „Einsame-Insel-Feeling“ gepasst und war wahnsinnig lustig.

Trash Hero Camp Trash Hero Camp Trash Hero Camp

Nachts erwartet uns ein atemberaubender Sternenhimmel erwartet, der durch die fehlende Elektrizität in seiner vollen Pracht jede Nacht aufs Neue erscheint. Im Hintergrund hört man das ein oder andere Äffchen, Fledermäuse und exotische Vögel. Der Kerzenschein hält einen nicht sehr lang wach, weshalb wir bereits gegen 21:00 eingeschlafen sind um gegen 6:00 den kitschigen Sonnenaufgang zu sehen. Ein Tagesrythmus, der in Zeiten von Bildschirmen kaum noch denkbar ist.

Bevor es am Morgen zum Müllsammeln geht hat Marc super leckere Coconut-Pancackes gezaubert. Es hat uns an nichts gefehlt. Jeden Tag gab es andere Leckereien und das ganz ohne Kühlschrank! Das Camp steht noch in seinen Anfängen, sodass es solche Luxusgegenstände noch nicht gibt.

Die Zeit während des Müllsammelns vergeht wie im Flug und ist wirklich meditativ. Man macht sich in dieser Zeit nur über das Hier und Jetzt Gedanken. Und hinterfragt seinen eigenen Konsum bis ins Detail. Wenn man den zwanzigsten Flip-Flop, die dreißigste Zahnbürste, die hundertste PET-Flasche und das hundertfünfzigste Feuerzeug von der Erde gesammelt hat wird man erst sauer. Dann traurig. Wieder sauer und dann bekommt man das innerlichste Verlangen diesen Prozess zu stoppen. Es mag banal klingen aber das Müllsammeln erfüllt einen im Anschluss zutiefst. Man hat das Gefühl nicht nur über Veränderung zu sprechen sondern aktiv teilzuhaben.

 „…as they say, actions speak louder than words…“

Trash Hero Camp

Am schwierigsten war es Styropor aufzusammeln. Es zerfällt in tausend kleine Kügelchen und es ist kaum möglich jedes einzelne aufzusammeln. Nicht zu vergessen, wie schnell diese Kügelchen in Fisch- und/ oder Vogelbäuchen landen. Die Gefahr von Styropor war mir ehrlich gesagt vorher in diesem Ausmaß nicht bewusst! Man geht oftmals „nur“ von PET-Flaschen und Plastiktüten aus. Doch es ist viel mehr! Wir haben zum Beispiel gefühlt 10000 Strohhalme aufgesammelt und auch total abstruse Dinge gefunden, wie ein Halloween-Vampirgebiss, Plastik-Tiere, Glühbirnen im Ganzen oder Spritzen samt Nadel.

Das Grundproblem ist damit natürlich nicht gelöst aber ein Ansatz geschaffen, der zum Nachdenken anregt, Aufmerksamkeit erzeugt und vor allem die Möglichkeit gibt aktiv zu werden. Es ist so einfach und so wirkungsvoll.

Trash Hero Camp

Meine persönlichen Schlüsse, die ich durch das Trash Hero Camp gezogen habe:

1. Ich verzichte auf Strohhalme!

2. Ich gehe nirgendwo mehr ohne meine Trash Hero Flasche hin, die man sich in Thailand sogar an vielen Orten kostenlos auffüllen lassen kann! Und was übrigens auch ein super Tipp für den Flieger ist. So braucht man nicht jedes Mal einen neuen Plastikbecher. (Bisher hat sich nur die Swiss-Airlines geweigert die Wasserflasche aufzufüllen – „aus hygienischen Gründen“ blablabla!)

3. Einkaufen mit Jutebeuteln.

4. Ich koche zuhause oder nehme eine leere Dose mit, die ich dann auffüllen lasse.

5. Ich greife zu unverpackten Gemüse, was sich mal leichter und mal schwieriger darstellt.

6. Ein „Bitte keine unadressierte Post“ Schildchen am Briefkasten schützt nicht nur vor nervender Werbung sondern schont Ressourcen auf lange Sicht.

7. Mein Soda Stream ist mein bester Freund!

8. Wenn ich Müll auf der Straße liegen sehe, dann hebe ich ihn auf und schmeiße ihn weg. Geht ganz einfach!

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